Fossilien suchen in Villerville

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Die Küste der Normandie ist bei Sammlern sehr bekannt, weil man dort immer wieder schöne Fossilien bergen kann, auch wenn in den letzten 10 Jahren der Sand an vielen Stellen die guten, Fossil führenden Schichten bedeckt. Aber es gibt immer wieder Tage, an denen diese Schichten zumindest teilweise frei liegen.

Dieses Glück ist Voraussetzung dafür, dass man an der Seine-Mündung bei Villerville gute Funde macht.

 

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Kartenherkunft: http://www.openstreetmap.org/#map=12/49.4221/0.1717

 Abbildung 1: Die Lage des Fundortes

Wenn man die Pont de Normandie wählt, um etwas östlich von Le Havre die Seine nach Süden zu überqueren, kommt man alsbald in den kleinen sehenswerten Hafen Honfleur. Hier lohnt es sich zu verweilen, um den Charme der alten Häuser und das ganze Ambiente zu genießen. 

Fährt man dann weiter die Küstenstraße D513 in Richtung Trouville entlang, kommt man an dem zunächst unscheinbar wirkenden kleinen Ort Villerville vorbei. Hier gibt es gleich am Ortseingang einen großen Parkplatz, von dem aus man zunächst den Ort zu Fuß erkunden kann. Die kleinen engen Straßen mit den normannischen Gebäuden wirken auf mich immer etwas verträumt. Geht man im oberen Bereich in Richtung Küste, findet man einen kleinen Platz mit Bänken. Da der Ort auf einem Kliff liegt, befindet man sich hier oben etliche Meter über dem Meeresspiegel und  hat einen herrlichen Blick über das Wasser bis Le Havre.

Man kann dann auch eine schmale Straße hinab zur Segelschule hinab fahren. Hier gibt es einige Parkplätze und im Sommer ist ein kleines Café geöffnet. 

Um an die fündigen Stellen zu gelangen, muss das Wasser weit zurückgehen. Dann erscheinen zunächst größere Flächen mit gelblichen Gesteinsbrocken, die man auf Ammoniten untersuchen kann. Mit Glück kommen später weitere graue Gesteine und Tonbänke zum Vorschein. Es handelt sich bei Villerville um Schichten aus dem Malm Oxfordium bis Tithonium. Die besten Schichten kommen im oberen Strandbereich heraus.

Hier gibt es Schnecken-Steinkerne und Korallen ebenso wie Trigonien. Meine schönsten Trigonien stammen von dieser Küste. Beim Bergen muss man sehr vorsichtig sein, denn die Stücke sind meist sehr fest mit dem Gestein verbacken und zerspringen leicht. 

Das Präparieren erfordert dann auch etwas Geduld. Zunächst werden die Stücke geschrubbt, um den weichen Ton zu entfernen. Dann kann man mit dem Sticheln beginnen und zum Schluss, wenn alles gut trocken ist, mit dem Sandstrahlen die letzten Feinheiten freilegen.

Wer mag, kann auch an der Küste entlang Fluss aufwärts wandern und im Geröll nach Fossilien Ausschau halten. Es kommen diverse Schwämme vor ebenso wie Seeigel-Steinkerne oder Trigonien. Die meisten Stücke sind sehr abgerollt, aber es gibt auch immer wieder gut erhaltene Fossilien. Diese Sachen sind angespült und stammen überwiegend aus der Kreide.

Im Frühjahr 2016 waren die Schichten leider nicht zugänglich.

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Abbildungen 2 bis 4: Typisch normannische Häuser

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Abbildungen 5 bis 8:  In Villerville

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Abbildung 9: Wenn das Wasser noch so hoch steht wie auf der Abbildung, kann man getrost Kaffee trinken gehen, denn es dauert sehr  lange, bis die Flut sich zurückzieht.

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Abbildungen 10 bis 12: Blick über die Seine-Mündung bei Ebbe. Im Hintergrund Le Havre.

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Abbildungen 13 bis 14: In diesen Schichten könnte man Fossilien finden.

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Abbildungen 15 bis 17: Impressionen am Meeresgrund.

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Abbildungen 18 bis 19: Auf dem Rückweg zum Dorf

 

Hier zeige ich nun einige Fossilien, die ich im Laufe der Jahre an dieser Küste bergen konnte.

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Pachyceras lalandeanum d’Orbigny, Malm-Oxfordium
Abbildung 20 links: calzitisiert 8,7 cm, Abbildung 21 rechts: Steinkern-Erhaltung, 7,9 cm

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 Abbildung 22: Schneckensteinkerne ca. 2 – 5 cm, Malm-Oxfordium

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Abbildung 23: Laboidothyris bisuffarcinata (SCHLOTHEIM), 2,8 cm, Malm-Oxfordium

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Abbildung 24 links: Hallirhoa costata LAMOROUX , Turonium 8,5 cm
Abbildung 25 rechts: ein Exemplar im Anschnitt, 7,2 cm

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Abbildung 26: Polydiadema sp., 2,8 cm, Malm-Oxfordium

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Abbildung 27: Thecosmilia trichotoma (GOLDFUSS, 1826), 6,4 cm, Malm-Oxfordium

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Abbildung 28: links Montlivaltia cuneata (MILASCHEWITSCH), 6,1 cm, Malm-Oxfordium
Mitte und rechts: Montlivaltia sp. 8 cm, Malm-Oxfordium

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Abbildung 29: Schwämme. Oben  6,2 cm, unten 18,5 cm, Oberkreide

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Abbildung 30: Steinkern von Holaster sp., 3,5 cm, Cenomanium

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Abbildung 31: Gryphaea dilatata (SOWERBY) 12 cm; Malm-Oxfordium

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Abbildung 32: Myophorella clavellata (SOWERBY), 7,8 cm, Malm-Oxfordium

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Abbildung 33: Trigonia costata PARKINSON, 7,9 cm, Malm-Oxfordium

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Abbildung 34: Trigonia costata PARKINSON, 7,7 cm, Malm-Oxfordium

Landschaftsfotos: Rainer Friedhoff

 

   
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