Streifzüge durch die Pyrenäen

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Im Frühjahr 2013 reisten mein Mann Rainer und ich in die Pyrenäen.

Nachdem wir schon zweimal kurz dort gewesen waren, wollten wir uns in diesem Jahr etwas intensiver mit den Schönheiten der Landschaft vertraut machen und auch nach neuen Fossil-Fundstellen suchen.

Dass es ein Traumurlaub wurde verdanken wir Arnold Seubert, der sich in den südlichen Pyrenäen sehr gut auskennt. Er führte uns an viele Orte, um uns Landschaft und Kultur nahe zu bringen. Ebenso bereitwillig zeigte er uns auch geologisch interessante und Fossil trächtige Plätze.  Deshalb möchten wir uns auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich bedanken.

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 Schnell stellten wir fest, dass wir die Landschaft der Pyrenäen genauso lieben wie er, allerdings mit dem Unterschied, dass er dort jede Ecke kennt.

Gemeinsam fuhren wir alsbald in einem gemieteten Allrad–Auto in die Berge, in Gegenden, die mit dem normalen PKW nicht mehr zu erreichen sind. Wir genossen die Fahrt  durch wunderschöne Landschaften und waren begeistert, hinter jeder Kurve neue atemberaubende Ausblicke vorzufinden. Wir hielten an Schluchten, um in unwegsame Tiefen zu schauen oder geologische Formationen zu bewundern.

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Abbildungen 2 bis 15: Die Landschaft in den Pyrenäen ist sehr vielfältig.

Abends saßen wir beisammen bei Wein und betrachteten die Fotos, die Rainer während der Fahrten aufgenommen hatte und vertieften die Eindrücke des Tages.

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 Abbildungen 16 bis 19: Manchmal genossen wir auch atemberaubende Sonnenuntergänge.

An anderen Abenden freuten wir uns über die Live-Musik, die der Chef des Campingplatzes „Pepe“ mit seinen erwachsenen Kindern im Restaurant darbot. Da kam das spanische Temperament voll zur Geltung und begeisterte uns  Zuhörer.  Auf diesem Campingplatz ist man gut aufgehoben. Man kann im eigenen Zelt übernachten, im Reisemobil oder man mietet sich eine Hütte. Alles ist gepflegt und die Familie betreut ihre Gäste hervorragend. Alle sprechen Deutsch. Im Sommer kann man im Swimmingpool baden und an vielen Aktivitäten teilnehmen, die von der Familie angeboten werden, z.B. mehrtägige Reitertouren durch die Berge oder Landschaftserkundungen auf geführter Motorrad-Tour. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt. Infos finden Sie unter http://www.isabena.eu.

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 Abbildungen 20 bis 23: „Pepe“ musiziert mit seiner Familie.

Der Campingplatz liegt im Isabena-Tal, Provinz Huesca Aragonien, in welchem sich auch eine weithin sichtbare romanische Basilika befindet die einen Besuch lohnt.

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Abbildungen 24 bis 28: Basilika in Roda de Isabena

Etwa 20 km entfernt von hier liegt das kleine Städtchen Graus. Auch dessen Basilika sollte man einen Besuch abstatten.

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Abbildungen 29 bis 37 : Basilika Nuestra Senora de la Pena in Graus. Erbaut im 16./17. Jahrhundert.

Von den vielen Ausflügen, die wir unternommen haben,  kann ich nur einige herausragende hier erwähnen.

Wir besuchten zum Beispiel die klassische Fundstelle Boixols, wo Schichten des Santoniums aufgeschlossen sind, die reichlich Seeigel beinhalten.

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Abbildungen 38 bis 44 : Boixols, Katalonien

Eine andere Fahrt führte uns ganz hoch hinauf in die Berge zum Montsec de Rubins. Die Bilder mögen einen kleinen Eindruck der Landschaft geben, durch die uns unser Weg führte. 
Diese Region ist auch ein Eldorado für Kletterer, die man an manch sehr hohen und fast senkrechten Steilhängen beobachten kann.

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Abbildungen 45 bis 47: Kletterer auf dem Weg zum Montsec 

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Abbildungen 48 bis 51: Montsec de Miral, ein schwer zugänglicher Aufschluss in der Oberkreide-Senonium hoch in den Bergen.

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Abbildungen 52 bis 59: Auf dem Rückweg vom Montsec ins Isabenatal ereilte uns eine Schlechtwetter-Front. Das Wetter kann hier in den Bergen sehr schnell umschlagen.

Eine Besonderheit findet sich in der Nähe des Ortes Col de Nargo, Katalonien. Hier  erstrecken sich nach Westen bis Sallent Schichten mit Dinosauriereiern und Trittsiegeln von Sauriern.

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Abbildungen 60 bis 65: Aufschluss mit Dinosaurier-Trittsiegeln. Eine ausführliche Beschreibung dazu finden Sie im Heft 1 Jan./Feb. 2005 von „Fossilien“.

Mehrfach waren wir unterwegs im Eozän der Provinz Hueska, Aragonien wo mit Fleiß diverse Seeigel, Brachiopoden, Schnecken, Muscheln, Korallen und Krabben geborgen werden können. Es findet sich eine große Artenvielfalt. Die Präparation ist allerdings sehr Zeit raubend.

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Abbildungen 66 bis 70: Mergelhänge mit Eozänen Aufschlüssen in der Provinz Huesca, Aragonien

Aber unser Ziel galt nicht nur den Fossilien-Fundplätzen.

Wir besichtigten alte Schlösser und Klöster wie das vom Opus Dei Orden erbaute Kloster Torrecuidat. Genau wie die alten Klöster schmiegt es sich in die Landschaft ein. Es wurde erst im Jahre 1975 gebaut und besticht durch einen ganz eigenwilligen Baustil, der so ganz anders ist, als alles Herkömmliche.

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Abbildungen 71 bis 82: Wallfahrtskloster Torrecuidat

Ein ganz besonderes Erlebnis war der Besuch des Klosters Montserrat , das in den Bergen ca. 40 km mordwestlich von Barcelona entfernt gelegen ist.  Seine Ursprünge gehen bis ins 11. Jahrhundert zurück. Nachdem es 1811 von Truppen Napoleons zerstört worden war  wurde es in der Folgezeit wieder aufgebaut ist heute ein bedeutender Wallfahrtsort. 

Das Ziel vieler Pilger ist hier die Schwarze Madonna, eine romanische Statuette aus dem 12. Jahrhundert.

Das angeschlossene Museum zählt Schätze wie kostbare liturgische Gegenstände zu seinem Fundus ebenso wie Gemälde von El Greco, Claude Monet, Edgar Degas, Pablo Picasso und Salvador Dali.

Zu erwähnen ist auch eine umfangreiche Bibliothek mit mehr als 200.000 Bänden.

Zu erreichen ist das Kloster aus dem Tal über eine Seilbahn, die im Jahre 1930 erbaut wurde oder über eine gut ausgebaute Straße, welche sich in Serpentinen bis auf eine Höhe von ca. 700 m Ü.M.  den Berg hinauf windet und hinter jeder Kurve neue eindrucksvolle Ausblicke auf die wunderbaren Felsformationen der Umgebung gewährt. In dieser Umgebung gibt es eine Reihe gut ausgeschilderte Wanderwege auf denen man auch zu der einen oder anderen Eremitage in den Bergen gelangen kann.

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 Abbildungen 83 bis 86: Umgebung des Klosters Montserrat.

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Abbildungen 87 bis 91: Das Kloster Montserrat

Ein andermal machten wir eine Rundfahrt in den Nationalpark Ordesa - Monte Perdido   Auch wenn das Wetter nicht ganz mitspielte und sich der Gipfel des Monte Perdido – immerhin 3555m hoch- in Wolken verbarg, wurde es ein unvergesslicher Tag. Und natürlich genossen wir den Anblick der Schnee bedeckten Berge um den Monte Perdido, dieser riesigen Massive, wo sich die höchsten Berge der Pyrenäen – immerhin 5 Gipfel über 3.000m hoch - und die südlichsten Gletscher Europas befinden. Diese Gletscher sind noch Relikte aus der letzten Eiszeit.

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 Abbildungen 92 bis 95: Verhangener Himmel im Ordesa Nationalpark. Auf dem Rückweg das seltene Schauspiel eines Regenbogens unterhalb der Straße im Tal.

Unterwegs besichtigten wir das Castillio de Loarre einem der bedeutendsten romanischen Schlösser Spaniens, vielleicht sogar ganz Europas. Es wurde im 11. Jahrhundert erbaut  und zeugt von kriegerischen Zeiten. Der Blick ins Tal vom Schloss aus ist überwältigend.

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Abbildungen 96 bis 100: Castillio de Loarre.

Wir kreuzten auch die  Route der Pilger, die hier auf dem Jacobsweg durch die Pyrenäen wandern. Die Schilder an der Straße weisen den Weg. Und wenn man sich einmal selbst etwas länger auf die großartige Landschaft der Pyrenäen eingelassen hat, versteht man, dass viele Pilger verändert von dieser Wanderung heimkehren.

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Abbildungen 101 bis 105: Pilger am Jacobsweg

Da der Höhenunterschied innerhalb des Parks ca. 2000 m beträgt, ergibt sich eine sehr bewegte Landschaft mit vielen senkrechten Felsmassiven, aber auch herrlichen Wäldern. Bei einer kurzen Rundreise kann man die Details gar nicht alle wahrnehmen. Hier gibt es eine reichhaltige Flora und Fauna, die je nach Höhenlage variiert. Allein die Flora kann mit 60 endemischen Pflanzen aufwarten.  Die meisten Tiere wird man gar nicht zu sehen bekommen, vielleicht einige Meisen Arten, Finken und Dompfaffen.  Ganz sicher wird man Geier am Himmel entdecken, wobei sich Gänsegeier oder Bartgeier eher selten zeigen. Auch Gemsen oder Hermeline leben hier sehr versteckt.

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Abbildung  106: Überall am Wegesrand findet man wunderschöne Blumen, deren Farben sich häufig besonders intensiv vom umgebenden Gestein abheben.

Nach 3 Wochen nahmen wir Abschied. Es war eine unvergessliche Zeit  - wirklich ein Traum-Urlaub.

 

Nachfolgend zeige ich einige Fossilien, die ich von unseren Reisen aus den Pyrenäen mitgebracht und präpariert habe.

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Abbildung 107 links: Conoclypus conoideus (LESKE, 1778) 12,1 cm, Tert.-Eozän Lutetium, Huesca Aragonien.
Abbildung 108 rechts: Macropneustes heberti (COTTEAU, 1886 ), 6,8 cm, Tert.-Eozän Lutetium, Huesca Aragonien

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Abbildung 109 links: Micraster corcolumbarium (DESOR, 1858), Ob.Kr.-Santonium,  Boixols Katalonien.
Abbildung 110 rechts: Micraster douvillei (LAMBERT, 1927), Ob.Kr.-Santonium,  Boixols Katalonien.

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 Abbildung 111 links: Micraster mengaudi (LAMBERT, 1920) ) 5,3 cm, Ob.Kr.-Santonium,  Boixols Katalonien.
Abbildung 112 rechts: Micraster gourdoni (COTTEAU, 1889) 5,8 cm, Ob.-Kreide Maastrichtium, Huesca Aragonien.

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Abbildung 113 links: Cardiotaxis sp., 10 cm, Ob.Kr.-Santonium , Tremp Aragonien.
Abbildung 114 rechts: Coraster margaritae (COTTEAU, 1889) 2,4 cm, Ob.-Kreide Maastrichtium, Huesca Aragonien.

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Abbildung 115 links: Micropsis leridensis (COTTEAU, 1882) 2,9 cm Ob.Kr.-Santonium , Tremp Aragonien.
Abbildung 116 rechts: Thylechinus fossardi (COTTEAU, 1889) 4,9 cm, Tert.-Eozän Lutetium, Huesca Aragonien.

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Abbildung 117 links: Fellius pouechi (COTTEAU, 1863) 4,1cm, Tert.-Eozän Lutetium, Huesca Aragonien.
Abbildung 118 rechts: Stereocidaris sp., 3,7 cm,  Ob.Kr.-Santonium , Boixols Katalonien.

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Abbildung 119 links: Schizaster aff. Rousseli (COTTEAU, 1887) , Tert.-Eozän Lutetium, Huesca Aragonien.
Abbildung 120 rechts : Maretia aragonensis (COTTEAU, 1887) 3,3 cm, Tert.-Eozän Lutetium, Huesca Aragonien.

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Abbildung 121 links: Aulosmilia archiaci (de FROMENTEL, 1866), 4,1 cm, Ob.Kr.-Santonium, Santa Maria Montsec Lerida.
Abbildung 122 rechts: Placosmilia vidal, Mallada, 1892, 5,7 cm, Ob.Kr.-Santonium, Santa Maria Montsec Lerida.

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Abbildung 123 links: Diploctenium subcirculare (MICHELIN), max. 2,7 cm Santa, Maria Montsec Lerida.
Abbildung 124 rechts: Cunnolites tenuiradiata Cunnolites tenuiradiata (REUSS) 4,7 cm, Santa Maria Montsec Lerida.

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Abbildung 125 links: Velates perversa (GMELIN, 1791) 7,7 cm, Tert.-Eozän Lutetium, Huesca Aragonien.
Abbildung 126 rechts: Ostrea multicostata (DESHAYES, 1832), 3,6 cm, Tert.-Eozän, Huesca Aragonien.

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  Abbildung 127 links: Zanthopsis dufouri (MILNE-EDWARDS, 1850), 8 cm, Tert.-Eozän Lutetium, Huesca Aragonien.
Abbildung 128 rechts: Zanthopsis dufouri (MILNE-EDWARDS, 1850) 4,2 cm Tert.-Eozän Lutetium, Huesca Aragonien.

 

 Landschaftsfotos Rainer Friedhoff

 

 

 

 

   
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